Zu Viel Ärger – Zu Wenig Wut

Lärmdemonstration am Samstag, den 18. Oktober
um 14:00 am Herrfurthplatz (nähe U-Bhf Boddinstraße)

Zu Viel �rger - Zu Wenig Wut

Mieterhöhung, Modernisierung, Umwandlung in Eigentumswohnungen, rassistische Stigmatisierung und Ausgrenzung, Kündigung durch ständig neue Eigentümer_innen, Umzugsaufforderung durch das Jobcenter bis hin zu Zwangsräumungen – während vor einigen Jahren die eigenen vier Wände noch ein sicherer Rückzugsort waren, bedeutet heute Wohnen für viele Menschen vor allem Stress. Oft ist die Miete so hoch, dass kein Geld mehr zum Leben übrig bleibt und immer öfter sind Menschen dem Terror profitgeiler Vermieter_innen ausgesetzt. Wohnraum für Menschen mit wenig Geld, ist in Berlin hingegen nicht mehr zu finden, nicht bei städtischen Wohnungsgesellschaften und auch nicht am Stadtrand.

Im Neuköllner Norden hat sich der Prozess von Aufwertung und Verdrängung in den letzten Jahren in besonders rasantem Tempo vollzogen. Es gibt kaum Haushalte, die von oben genannten Problemen nicht betroffen sind.

Aber es regt sich auch Widerstand und die Erfahrungen zeigen: wenn der Protest auf die Strasse getragen wird, haben Mieter_innen eine Chance, den Eigentümer_innen im ungleichen Kampf etwas entgegen zu setzen. Gemeinschaftliche Organisierung und praktische Soldiarität sind unsere Antworten auf den individuellen Druck, den der sogenannte Wohungsmarkt auf uns ausübt.

Um unserer Wut gegen diese Verhältnisse Ausdruck zu verleihen, rufen zahlreiche Initiativen und Gruppierungen zur Lärm-Demonstration: Zu viel Ärger – zu wenig Wut! Sie findet im Rahmen des stadtpolitischen Aktionszeitraums „Verdrängung Stoppen“ des Berliner Ratschlags statt. Und am gleichen Tag werden in zahlreichen Städten Europas Menschen demonstrieren, um dabei Wohnraum und ein Recht auf Stadt für alle Menschen zu fordern.

Seid dabei, seid laut, kreativ und wütend!

Demo-Route:

Herrfurthplatz (westliche Seite, Richtung Tempelhofer Feld) – Schillerpromenade – Okerstr. – Weisestr. – Kienitzer Str. – Hermannstr. – Werbellinstr. – Mainzer Str. – Flughafenstr. – Fuldastr. – Sonnenallee – Pannierstr. – Weserstr. – Fuldastr. – Sonnenallee – Erkstr. – Karl-Marx-Str. – Rathausvorplatz

Videokundgebung am Dienstag, 13. Oktober in der Biebrichstraße 1a/3)

Eine kleine Änderung: da es von behördlicher Seite nicht möglich war, die Videokundgebung direkt in der Hermannstraße zu machen, findet sie nun statt in der Biebrichstraße 1A/3 (Nähe der Villa Neukölln, U-Bhf Boddinstraße)

Videokundgebung Dienstag, 13. Oktober

Berlin Aspire Real Estate hat an die 20 Häuser in Berlin gekauft und betreibt überall das gleiche Spiel: Umwandlung in Eigentumswohnungen, Entmietung, Modernisierung, Vermietung als Ferienwohnungen. Bei uns im Kiez gehört unter anderem die Hermannstr. 232 Berlin Aspire. In den Nachbarkiezen wehren sich z. B. die Mieter_innen der Reichenberger Str. 114 und der Hobrecht Str. 40 gegen diese Übergriffe. Zur Unterstützung der sich wehrenden Mieter_innen gibt es eine Videokundgebung bei uns im Kiez:

Veranstaltungen im Vorfeld der Lärmdemonstration am 18.10.

Im Vorfeld der Lärmdemonstration am 18.10. gibt es einige interessante Veranstaltungen, die sich thematisch mit einigen Inhalten der Demo überschneiden:

Samstag, 18.10., 13:00 – Mikrofonikia durch Neukölln (Nachbarschaftszentrum, Mahlower Straße 27)

Diese Aktionsform, die wir von griechischen Aktivist_innen übernommen haben, ist im wesentliche eine spaßige und laute Info-tour. Wir werden mit einem Megafon und vielen Flyern ausgestattet durch Neukölln ziehen, Infos und Sprüche durchgeben, Flyer verteilen und durch die daraus resultierende Aufmerksamkeit versuchen, mit vielen Nachbar_innen ins Gespräch zu kommen.

Samstag, 11.10. 15:00: Kiezspaziergang des Rixdorfer Kiezforums (Alfred-Scholz Platz, am Richardplatz Ecke Karl-Marx Straße)

Das Rixdorfer Kiezforum, welches ebenfalls die Lärmdemonstration unterstützt, lädt auf einen weiteren, sicherlich wieder sehr informativen Kiezspaziergang durch Rixdorf ein. Dieses Mal werden insbesondere Noch-Brachflächen und aktuelle Baustellen besucht. Zum Abschluss gibt’s Suppe im „Linus“.

Samstag, 11.10. 18:00: Videokundgebung (Kiezwand Ecke Weisestraße und Herrfurthstraße)

Auf dieser Videokundgebung wollen wir noch einmal gemeinsam ein paar Widerstandsgeschichten aus Neukölln und ganz Berlin Revue passieren lassen. Wir zeigen eine kleine Doku über Verdrängung in Neukölln, verschiedene kleine Videoclips zu Verdrängung und den Widerstand dagegen aus Neukölln und ganz Berlin. Zwischendurch gibt’s Musikvideos passend zum Thema.

Montag, 13.10. 18:30 Filmvorführung und Diskussion: „Verdrängung hat viele Gesichter“ (Moviemento)

„Berlin. Ein kleiner Kiez zwischen Ost und West. Verwilderte Brachen am ehemaligen Mauerstreifen. Motorsägen und Baukräne. Neubauten, Eigentumswohnungen und steigende Mieten. Versteckte Armut, AltmieterInnen, zugezogene Mittelschicht, Architekten, Baugruppen. Auf engstem Raum wird ein Kampf ausgetragen. Von Gesicht zu Gesicht. Direkt. Ohne Blatt vor dem Mund. Ängste artikulieren sich. Auf allen Seiten. Wut verschafft sich Ausdruck. Ein Kampf um Millimeter. Um den Kiez. Um Würde. Und um das eigene Leben.“

Der Dokumentarfilm „Verdrängung hat Viele Gesichter“ vom Filmkollektiv Schwarzer Hahn erscheint diese Woche in Berliner Kinos und verspricht eine interessante neue Perspektive auf die Mietenkämpfe in Berlin zu zeigen.

Am Montag, den 13.10. werden wir den Film gemeinsam schauen und anschließend etwas über die aktuellen Vorgänge in Neukölln diskutieren.

Einen Trailer gibt es hier.

Dienstag, 14.10. 19:00 Videokundgebung vor einem Haus der Berlin Aspire Real Estate (Hermannstraße 232)

Die Berlin Aspire Real Estate ist bekannt dafür, auf aggressive Art und Weise Miet- in Eigentumswohnungen umzuwandeln. Mieterhöhung, dann Kündigung, dann Verkauf oder Ferienwohnungsvermietung über AirBnB – dies ist die Art und Weise, wie Berlin Aspire standardmäßig agiert. Mieterschutz und Mieterrechte interessieren Berlin Aspire nicht – es geht nur ums schnelle Geld.

Zusammen mit dem Café Reiche werden wir vor einem kürzlich von der Berlin Apire erworbenen Haus eine Videokundgebung halten, wo wir gemeinsam den Film Mietrebellen schauen werden.

Mittwoch, 15.10. 19:00: Diskussionsveranstaltung: Community Organizing und Mieter_innenmobilisierung in Berlin (Tristeza)

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Wem gehört die Stadt“ der Autonomen Neuköllner Antifa gibt es eine Podiumsveranstaltung mit Robert Maruschke, Kotti und Co. und Zwangsräumungen Verhindern.

Robert Maruschke, Autor und Aktivist hat ein Buch über Community Organizing geschrieben – einer aus den USA kommenden Technik, die sich mit der Aktivierung und Bestärkung von Menschen in der Nachbarschaft beschäftigt, um sich für ihrer Rechte einzusetzen. In diesem Zusammenhang untersucht er nicht nur die Ursprünge dieses Organisierungskonzeptes und theoretische Debatten, sondern auch praktische Anwendungsfelder bei der Mieter_innenmobilisierungen in Berlin. Gemeinsam wollen wir den Möglichkeiten von Community Organizing für aktuelle Kämpfe nachgehen, dieses aber auch als Instrument begreifen, das eingesetzt wird, um eine breite Akzeptanz für staatlich verordnete soziale Ungleichheit im Kiez zu schaffen.

Zuletzt möchten wir noch auf die vielen weiteren interessanten Veranstaltungen hinweisen, die im Rahmen der stadtpolitischen Aktionswochen „Verdrängung Stoppen“ des Berliner Ratschlags stattfinden.

Kurzaufruf zur Lärmdemo am 18.10.2014

Zu viel Ärger! Zu wenig Wut?
Lärm-Demonstration am 18. Oktober 14 Uhr Herrfurthplatz (U8 Bodinstrasse)

Mieterhöhung, Modernisierung, Umwandlung in Eigentumswohnungen, rassistische Stigmatisierung und Ausgrenzung, Kündigung durch ständig neue Eigentümer_innen, Umzugsaufforderung durch das Jobcenter bis hin zu Zwangsräumungen – während vor einigen Jahren die eigenen vier Wände noch ein sicherer Rückzugsort waren, bedeutet heute wohnen für viele Menschen vor allem Stress: Oft ist die Miete so hoch, dass kein Geld mehr zum Leben übrig bleibt und immer öfter sind Menschen dem Terror profitgeiler Vermieter_innen ausgesetzt. Wohnraum für Menschen mit wenig Geld ist in Berlin hingegen nicht mehr zu finden, nicht bei städtischen Wohnungsgesellschaften und auch nicht am Stadtrand.
Im Neuköllner Norden hat sich der Prozess von Aufwertung und Verdrängung in den letzten Jahren in besonders rasantem Tempo vollzogen. Es gibt kaum Haushalte, die von oben genannten Problemen nicht betroffen sind.
Aber es regt sich auch Widerstand und die Erfahrungen zeigen: wenn der Protest auf die Strasse getragen wird, haben Mieter_innen eine Chance, den Eigentümer_innen im ungleichen Kampf etwas entgegen zu setzen. Gemeinschaftliche Organisierung und praktische Soldiarität sind unsere Antworten auf den individuellen Druck, den der sogenannte Wohungsmarkt auf uns ausübt.
Um unserer Wut gegen diese Verhältnisse Ausdruck zu verleihen, rufen zahlreiche Initiativen und Gruppierungen zur Lärm-Demonstration: Zu viel Ärger! Zu wenig Wut? Sie findet im Rahmen des stadtpolitischen Aktionszeitraums des Berliner Ratschlags statt. Und am gleichen Tag werden in zahlreichen Städten Europas Menschen demonstrieren, um dabei Wohnraum und ein Recht auf Stadt für alle Menschen zu fordern. Seid dabei, seid laut, kreativ und wütend!

12053-Showroom braucht Polizeischutz

Nach unserem etwas einsamen Besuch beim Showroom des Neubauprojektes 12053 – aufblühendes Neukölln am letzten Samstag hatten wir heute keinen Grund, uns über Einsamkeit zu beschweren. Vor dem Showroom erwarteten uns die Polizei mit nicht weniger als einem Streifenwagen, einer Wanne und einem Hundetransporter samt Polizeihunden! Eine weitere Wanne wartete hinter dem Gebäude und einige Zivilpolizisten wurden auch gesichtet. Unser Freund und Helfer, die Polizei, hat offensichtlich auch ein Problem mit dem Verdrängungsneubauprojekt und demonstrierte mit ihrer kreativen Aktionsform potentiellen Kaufinteressent_innen der Eigentumswohungen, welche Zukunft sie in Neukölln erwartet: ständiger Polizeischutz vor dem Protest bereits verdrängter und verdrängungsbedrohter Nachbar_innen.
screenshot der 12053-website
Von „null Stress“, mit dem Ziegert auf der Website des Projektes wirbt, kann da wohl keine Rede mehr sein, umso mehr aber von „viel grün“, solange es bei der Polizei noch grüne Uniformen gibt. Beeindruckt von der unerwarteten Solidarisierung ließen wir die Polizei unsere Arbeit machen und überlegen uns für nächste Woche, wie wir unseren eigenen Protest sinnvoll darauf abstimmen können.

Update: Ein Bild von dem Polizeibesuch

12053 - Polizei