Polizeibrutalität beendet Demonstration in Gedenken an Rosemarie

Gestern am Sonntag sollte es eine Gedenkdemonstration für Rosemarie F. geben. Die vergangene Woche, zwei Tage nach ihrer Zwangsräumung, verstarb.

Vom Lausitzer Platz, zog die Demonstration durch die Lausitzer Straße, wo vor zwei Monaten die Familie Gülbol durch ein Großaufgebot von über 800 Polizist_innen geräumt wurde. Über den Kottbusser Damm sollte die Demonstration bis zum Rathaus Neukölln gehen, um auf die drohende Zwangsräumung von Zeinab und Maya am 29. April aufmerksam zu machen. An diesem Tag will die städtische Wohnungsbaugesellschaft Stadt und Land die beiden auf die Straße setzen.

Schon bei der Räumung der Gülbols in Kreuzberg ging die Polizei brutal gegen die ca. 1000 Protestierenden vor. Vor einigen Wochen löste die Berliner Polizei in der Reuterstraße in Neukölln eine Sitzblockade gewaltsam auf. Dort sollte ebenfalls eine Familie zwangsgeräumt werden, weil die neuen Eigentümer_innen mit einer teuren Neuvermietung mehr Kohle machen können.
Am vergangenen Dienstag wurde dann Rosemarie zwangsgeräumt, auch hier war die Polizei massiv aufgefahren, um jeden Versuch diese menschenverachtende Profitlogik der Verdrängung zu sabotieren, im Keim zu ersticken.

Was sich die Polizei dann gestern auf der Gedenkdemonstration für Rosemarie leistete, an der über 800 Menschen teilnahmen, war erschreckend, auch wenn es in Folge der Funktion der Polizei wenig überraschend war.

Nach der Hälfte der Demoroute, auf Höhe der Bürknerstraße, prügelte sich die Polizei ohne Vorwarnung und ohne Anlass massiv in die Demonstration hinein. Dabei schlug sie eine Person bewußtslos, verweigerte ihr einen Krankenwagen und verschleppte sie in den Polizeitransporter. Auf eindringliche Nachfrage gaben die Beamt_innen an, der Krankenwagen würde sich nicht her trauen. Eine dreiste Lüge. Gerade als die Polizei den bewußtlosen verletzten Demonstranten abtransportierte, erreichte der Krankenwagen den Ort des Geschehens. Die Frage, ob sie Angst gehabt hätten her zu kommen, konnte der Fahrer nur verneinen.

Die Veranstalter_innen lösten nach diesem Gewaltexzess der Staatsmacht die Demonstration auf, da sie die Sicherheit der Teilnehmenden angesichts dieser willkürkichen Polizeibrutalität nicht mehr gewährleisten konnte. Der Verletzte Demonstrant musste zur Beobachtung über Nacht im Krankenhaus bleiben.

Das Bündnis Zwangsräumung verhindern kündigte an, die Demonstration demnächst an der Stelle fortsetzen zu wollen, wo die Polizei sie unmöglich gemacht hatte.

Die Vermutung liegt nahe, dass die Polizei auf Anweisung von oben eine derartige Taktik probiert um die wachsende Bewegung gegen Zwangsräumungen einzuschüchtern, zu spalten und zu kriminalisieren. Die Verantwortlichen bekommen es anscheinend langsam mit der Angst zu tun, weil sich immer mehr Menschen mit dem Widerstand solidarisieren. Anders ist ein derartiges Vorgehen gegen eine angemeldete friedliche Gedenkdemonstration kaum zu verstehen. Die Polizei veröffentlichte noch am gleichen Abend eine Pressemitteilung in der sie die dreiste Lüge verbreitete, die Demonstration hätte versucht die angemeldetete Demoroute zu verlassen. Dass sie zu derart plumpen Lügen greifen, zeigt einmal mehr, dass sie machen was sie wollen, und wenn hinterher etwas gerechtfertigt werden muss, dann wird halt etwas erfunden. Wer glaubt auch schon den Demonstrant_innen?

Runter mit der Uniform, runter mit der Miete – keine Gewalt für hohe Rendite!!

hier findet ihr die Pressemitteilung des Bündnis gegen Zwangsräumung
Einen Erlebnisbericht des Betroffenen und seines Umfelds findet ihr hier

Der bewu�tlos geschlagene Demonstrant