Besuch beim Jobcenter: Kritik unerwünscht!

Ursprünglich sollten Zeinab und Maya heute zwangsgeräumt werden, aber durch die Proteste gegen die staatlich organisierte Verdrängung durch die städtische Wohnungsbaugesellschaft Stadt & Land wurde diese Zwangsräumung vorerst verhindert, die für heute angekündigte Blockade abgesagt. Zeinab und Maya wurde von Stadt & Land nun eine kleinere Wohnung angeboten, nachdem es jahrelang hieß, es gäbe keine passende Wohnung für sie. Was bleibt sind die Mietschulden, die sich durch das Zusammenspiel von Stadt & Land und dem Jobcenter angehäuft haben.
Da wir heute wegen der geplanten Blockade alle Zeit hatten, haben wir dem Jobcenter einen kleinen Besuch abgestattet und die Anwesenden mit Flugblättern über die Praktiken des Jobcenters, die zusammen mit der Politik von Stadt & Land dafür verantwortlich sind, dass Zeinab und Maya die Zwangsräumung drohte und sie jetzt auf einem Berg von Schulden sitzen, informiert, denn Zeinab und Maya sind keine Einzelfälle! Doch das Jobcenter, eine staatliche Organisation in einem „demokratischen“ Land, hält nicht viel von Kritik an ihren Praktiken. Schon nach wenigen Minuten forderten Securitys einige von uns in schroffem Ton auf, hier ganz schnell zu verschwinden und drohten uns sogar mit einer Anzeige wegen Hausfriedensbruch. Wir verließen das Jocenter und verteilten unsere Flyer weiter im Kindl Boulevard, dem kleinen Einkaufszentrum, in dem das Jobcenter seine Räume hat. Doch auch dort ist Kritik nicht gerne gesehen: Der hauseigene Sicherheitsdienst verjagte uns unfreundlich auf die Straße. Erst dort konnten wir unbehelligt unsere Flugblätter verteilen und führten einige spannende Gespräche über Zeinab und Maya, steigende Mieten, Verdrängung und die Rolle des Jobcenters darin.
Eins ist klar geworden: Das Jobcenter interessiert sich nicht für Kritik! Sie verschanzen sich hinter ihren Sicherheitsleuten, die den reibungslosen Ablauf der Verdrängung ärmerer Menschen aus der Innenstadt gewährleisten sollen. Stadt & Land ist da kein Stück besser: Als wir zwei Kundgebungen(1 & 2) vor ihrem Kundencenter abhielten, schlossen sie die Türen und sagten ihre Sprechzeiten ab, um nicht mit unserem Protest konfrontiert zu werden. Erst durch die Öffentlichkeit von Zeinab und Mayas Geschichte und die angekündigte Blockade der Zwangsräumung gerieten sie so unter Druck, dass sie letztendlich doch reagierten.
Aber während wir bei Stadt & Land wenigstens vor verschlossenen Türen protestieren konnten, wurden wir vor den Türen des Jobcenters abermals verjagt, denn der Kindl Boulevard ist Privatbesitz. Den Besitzer_innen und Verwalter_innen ist Kritik am Jobcenter ein Dorn im Augen, und da sie den Kindl Boulvard besitzen, können sie auch bestimmen, wer dort sein und was tun darf. Und das hört sich auf ihrer offiziellen website dann so an:

Der großzügig angelegte KINDL BOULEVARD bietet als multifunktionales Gebäude Raum zur wirtschaftlichen Entfaltung ebenso, wie zur Unterhaltung oder der Erledigung von Alltagsgeschäften.

Die Botschaft ist klar: wir dürfen und sollen einkaufen, aber bloß nicht gemeinsam darüber nachdenken, was das Jobcenter eigentlich mit uns macht und welche Rolle sie in der Verdrängung von Menschen aus dem Kiez spielen. Wenn wir es doch wagen, werden wir ganz schnell auf die Straße gesetzt.
Das Jobcenter verschanzt sich nicht nur hinter ihren Sicherheitsleuten, um Kritik zu verhindern, sondern schützt sich auch mit einer mit ihm solidarischen Umgebung im Privatbesitz vor störenden kritischen Gedanken. Protest ausgeschlossen.